6. Januar 2026
Freelancer zu werden klingt für viele nach Risiko, Unsicherheit oder einem mutigen Sprung ins Ungewisse. Für mich stellte sich diese Entscheidung anders dar.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten in einem Großkonzern war der Schritt in die Selbstständigkeit kein radikaler Neuanfang, sondern die logische Konsequenz aus Erfahrung, veränderten Rahmenbedingungen und der Frage, wie ich in den kommenden Jahren arbeiten möchte.
Rückblickend war es nie mein Plan, über zwei Jahrzehnte in einem Großkonzern zu arbeiten, um dann mit über 50 plötzlich noch einmal „alles anders“ zu machen. Und doch war genau diese Situation der Auslöser.
In zahlreichen großen Unternehmen zeigt sich seit einiger Zeit ein klares Bild: Personalabbau, Umstrukturierungen, weniger Verantwortung bei gleichbleibender oder sogar sinkender Perspektive.
Meine Stelle wurde gestrichen. Und so steht man auf einmal vor einer sehr konkreten Frage: Wie geht es jetzt weiter?
Drei Wege – und nur einer fühlte sich richtig an
Für mich kristallisierten sich drei Optionen heraus:
- Aussitzen. Im Unternehmen bleiben, Verantwortung reduzieren, Veränderung vermeiden – und das eigene Gehalt perspektivisch schrumpfen lassen.
- Neustart als Angestellter. Einen Aufhebungsvertrag annehmen und extern eine neue Festanstellung suchen.
- Neustart als Selbstständiger. Mit einen Aufhebungsvertrag das Unternehmen verlassen und extern neu starten – aber bewusst nicht mehr als Angestellter.
Der erste Weg wirkt auf den ersten Blick bequem. Nach über 20 Jahren im selben Unternehmen ist Vertrautheit verlockend. Doch ziemlich schnell war mir klar: Das kann es bis zur Rente nicht gewesen sein. Es fühlte sich nicht nach einer echten Perspektive an, sondern nach Stillstand.
Der zweite Weg brachte gleich mehrere Unsicherheiten mit sich. Auch wenn es gern relativiert wird: Ab 50 wird der Arbeitsmarkt deutlich anspruchsvoller. Hinzu kommt ein Umfeld, das aktuell alles andere als arbeitnehmerfreundlich ist – und die realistische Frage, ob sich noch einmal eine vergleichbare Rolle mit ähnlichen Bedingungen finden lässt.
Warum Freelancing plötzlich Sinn ergab
Option drei betrachtete ich anfangs mit Skepsis.
Selbstständigkeit klingt schnell nach Risiko, Unsicherheit und permanentem Akquise-Druck. Ausschlaggebend waren schließlich Gespräche mit ehemaligen Kollegen, die diesen Schritt bereits gegangen waren.
Ihre Erfahrungen zeichneten ein anderes Bild:
- Erfahrung und Seniorität werden explizit nachgefragt.
- Der Projektmarkt ist stabil, insbesondere durch viele anstehende SAP S/4HANA-Transformationen.
- Die Arbeit ähnelt fachlich stark dem, was ich seit Jahren tue – nur mit anderer Perspektive.
In Kombination mit meiner langjährigen Tätigkeit als interner SAP‑Berater und später als Anwender ergab sich für mich ein stimmiges Gesamtbild – fachlich wie auch vom Rollenverständnis her.
Keine neue Arbeit – eine neue Perspektive
Die Entscheidung fiel letztlich genau aus diesem Grund:
Freelancing bedeutet für mich keinen radikalen Bruch, sondern einen Perspektivwechsel.
Ich arbeite weiterhin in komplexen Unternehmensumfeldern.
Ich löse weiterhin reale fachliche und technische Probleme. Der Unterschied liegt darin, wie ich arbeite: selbstbestimmter, fokussierter und mit einem klaren Auftrag.
Die Möglichkeit, meine Erfahrung in unterschiedlichen Organisationen einzubringen, neue Umfelder kennenzulernen und Verantwortung auf Zeit zu übernehmen, empfinde ich als echte Bereicherung.
Was mich unterscheidet
Mein Anspruch ist kein „höher, schneller, lauter“. Mein Mehrwert liegt in der Kombination aus:
- Senior-Level-Erfahrung aus über zwei Jahrzehnten Konzernpraxis,
- fundierter technischer Expertise, insbesondere im SAP-Umfeld,
- pragmatischer Beratung ohne Beratungs‑Overhead.
Freelancer zu werden war für mich kein Wagnis – sondern der logische nächste Schritt.
Ich freue mich über Rückmeldungen, Gedanken und eigenen Erfahrungen zu diesem Beitrag – gern in den Kommentaren. Der Austausch und unterschiedliche Ansichten sind genau das, was dieses Format für mich spannend macht.
